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Die Umsetzung der Neuregelung in Südtirol
Bereits im Jahre 1995 wurden viele Deutschlehrer/innen mit den neuen Schreibweisen
und der dahinter stehenden Logik vertraut gemacht. Noch im selben Schuljahr
wurde in Zusammenarnbeit zwischen Schulamt und Pädagogischem Institut
eine Kommission gebildet, die einen Zeitplan für die Umsetzung der
Neuregelung erstellte und die nötigen Schritte vorbereitete. Im Herbst
1996 fand eine Großtagung in Bozen statt, zu welcher neben den Schulen
auch Vertreter der öffentlichen Verwaltung und die Presse geladen
waren.
Im Anschluss daran wurden für alle Schulstufen Multiplikatoren
ausgebildet, welche sich intensiv in die Neuregelung einarbeiteten und
Material erarbeiteten. In weiteren Tagungen und Gesprächen wurde über
Rechtschreibdidaktik noch einmal gründlich reflektiert, es wurden
Kursmaterialien erarbeitet und ein Zeitplan für die Information aller
Lehrer/innen an allen Schulstufen ausgearbeitet. Innerhalb des Schuljahres
1996/97 wurden für alle Sprengel und Kollegien, die es wünschten,
Einführungsseminare gehalten.
Fast an allen Schulen wurde noch im selben Schuljahr der Beschluss gefasst,
mit der Einführung der Neuregelung sofort zu beginnen, um einerseits
nicht mehr Umlerner als nötig zu produzieren und um andererseits möglichst
viele Schulabgänger noch mit der neuen Schreibweise vertraut zu machen.
Leider wurden wir in diesem Unterfangen nur von einem kleinen Teil
der Presse unterstützt, und auch die öffentliche Verwaltung,
mit Ausnahme der Schulverwaltung, zeigte sich sehr zurückhaltend im
Umgang mit der Materie. Inzwischen waren über Monate nur negative
Schlagzeilen zum Thema zu lesen: Verlage, Schriftsteller, Politiker, Richter,
alle, so schien es, wollten die Reform stoppen. Zwar könnten wir sagen:
Was gehen uns die deutschen Gerichte an, und überhaupt diese ganze
deutsche Diskussion um die Schreibnormen? Aber die Verunsicherung bei vielen,
auch in Südtirol, wurde groß, als sie über eine so lange
Zeit in der Öffentlichkeit kaum noch etwas Positives zur Neuregelung
sondern nur von den Schwierigkeiten ihrer Einführung zu hören
bekamen.
Inzwischen ist die Sache ausgestanden: Am 1. August 1998 wurde umgestellt.
In der Schule hat seither jeder das Recht nach den neuen Regeln unterrichtet zu werden und selber
sowohl nach der alten als auch nach der neuen Regelung zu schreiben. Inzwischen hat die öffentliche
Verwaltung in Südtirol begonnen, auf die neue Schreibung umzustellen.
Mit 1. August dieses Jahres stellen die Presseagenturen um, und die
Zeitungen müssen nachziehen, ob sie wollen oder nicht. Die Herren und
Frauen Redakteure werden feststellen, dass die Lesbarkeit ihrer Artikel
dadurch auch nicht wesentlich schlechter werden kann.
Franz Lanthaler
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