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Es war von Anfang an klar, dass die Neuregelung der Rechtschreibung vor allem im Hinblick auf ihre Erlernbarkeit und Handhabbarkeit bei Lernenden und nicht professionellen Schreibern gesehen werden sollte. Damit war auch vorgegeben, dass sie für die Schule von besonderer Bedeutung sein würde. Die Schule war es denn auch, die sofort die Initiative ergriffen hat. In allen deutschsprachigen Ländern wurde sofortnach der Unterzeichnung der internationalen Vereinbarung im Sommer 1996 mit dem Rechtschreibunterricht nach den neuen Regeln begonnen. Rechtlich gesehen war das nicht einmal ganz legitim, denn die Übergangsfrist sollte ja erst mit dem 1. August 1998 beginnen. Aber sollten bis dahin die alten Regeln gedrillt und "Fehler", die nach diesem Datum den Regeln entsprechen würden, noch geahndet werden? Einen solchen erzieherischen Unsinn wollte keine Erziehungsinstanz verantworten. Niemand wollte über die bereits mit der alten Schreibung Vertrauten hinaus weitere Umlerner produzieren. Es war also nicht "vorauseilender Gehorsam", welcher diese Früheinführung in den Schulen bestimmt hat, sondern es waren didaktische Überlegungen. Wer einschulte, sollte nicht innerhalb von zwei Jahren in der Grundschule noch in zwei Systemen gedrillt werden, und wer die Schule in nächster Zeit verlässt, sollte noch rechtzeitig mit den Schreibungen vertraut gemacht werden, mit denen er für den größten Teil seines Lebens konfrontiert sein wird. Wenn die erste Konsequenz für die Schule also der Unterricht nach dem neuen Regelwerk war, so musste gleichzeitig damit die Frage geklärt werden, wie wir die neue Rechtschreibung unterrichten, wie wir jetzt mit den "alten" Schreibungen umgehen, wie wir mit Fehlern nach der neuen Schreibweise verfahren würden, was toleriert, was angezeichnet, angemahnt und was bewertet werden sollte. Es galt aber auch zu überlegen, welche Bereiche der Neuregelung als relevante Materie für den Schreibunterricht an der Schule anzusehen waren und welche als Expertenwissen für die Druckindustrie und die Schreibprofis. Es sollte ja nicht wieder das passieren, was 1915 geschehen war, als der Buchdruckerduden für alle verbindlich gemacht wurde. In den verschiedenen deutschsprachigen Ländern wurden hier teilweise
unterschiedliche Wege eingeschlagen, nicht zuletzt auch wegen der unterschiedlichen
Schulstrukturen und Prüfungsverordnungen. In der Schule in Südtirol
haben wir uns im Allgemeinen an folgende Empfehlungen gehalten:
Einführung
Korrektur und Bewertung
Auswahl aus dem Regelwerk
Umgang mit Schreibvarianten
Dasselbe gilt für die Schreibung mit z (statt t): potenziell, und für die Silbentrennung bei Fremdwörtern, wo wir die Trennung nach Sprechsilben bevorzugen: He-li-kp-ter, Pä-da-go-gik. Bei Bruchzahlen und Maßangaben ist die Zusammenschreibung zu bevorzugen: die Tausendstelsekunde (obwohl die tausendstel Sekunde auch richtig ist), das Viertelkilo (statt das viertel Kilo) die Siebzigerjahre (statt die siebziger Jahre). Wichtig ist, dass keine erlaubte Variante angestrichen wird. Wir werden
am besten tun, wenn wir unsere Bevorzugung einer Schreibvariante zum Anlass
von Reflexion über Sprache und Schreibung nehmen.
Zu einzelnen Bereichen
Franz Lanthaler
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