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D Groß-und KleinschreibungGroßschreibung gilt im Deutschen in vier Bereichen: 2. bei Nomen und Nominalisierungen 3. bei Eigennamen 4. bei bestimmten Anredepronomen Am meisten umstritten war der zweite Bereich. Die Fachexperten hatten hier
deutlich für die Einführung der Kleinschreibung plädiert.
Auf der politischen Ebene freilich hatten entsprechende Vorschläge
in keinem der beteiligten Länder eine Chance: Die Entscheidung ist
hier zugunsten einer vereinfachten («modifizierten») Großschreibung
gefallen.
D 1 Die Großschreibung am Satzanfang
Bei der Großschreibung am Satzanfang gab es eigentlich nur einen
Problemfall: Wenn auf einen Doppelpunkt ein ganzer Satz folgte, musste
man unterscheiden, ob der Satz vom vorangehenden angekündigt war (Großschreibung)
oder ob er eine Zusammenfassung oder eine Folgerung ausdrückte (Kleinschreibung).
Diese sehr feine Unterscheidung ist aufgegeben worden. Heute gilt: Wenn
auf einen Doppelpunkt ein ganzer Satz folgt, schreibt man ihn grundsätzlich
groß.
Wenn statt des Doppelpunkts auch ein Komma oder ein Gedankenstrich stehen
könnte, ist aber auch Kleinschreibung erlaubt.
Weitere Veränderungen gibt es in diesem Bereich nicht. Man schreibt weiterhin immer groß, wenn eine direkte Rede folgt: Zufrieden sagte sie: «Alles wächst und gedeiht!» Und man schreibt weiterhin klein, wenn nicht ein Satz, sondern nur eine Aufzählung, eine Wortgruppe oder ein Einzelwort folgt: Welche Äpfel wünschen Sie: die gelben oder die roten? Sie wollte nur noch eines: den ganzen Tag im Garten liegen.
D 2 Nomen und NominalisierungenBei Nomen in festen Wendungen mit Verben richtet sich die Schreibung konsequenter als bisher nach dem Grundsatz: Bei Getrenntschreibung groß, bei Zusammenschreibung klein. Muster: Anteil nehmen teilnehmen
Wenn der Wendung eine Präposition wie in, mit, von, zu enthält,
kann man teilweise auch zusammenschreiben.
Freigegeben ist die Groß- und Kleinschreibung in den folgenden
Fallgruppen.
Klein und getrennt bleiben die folgenden Verbindungen: angst sein, werden (mir ist angst, mir wird angst) bange sein, werden (mir ist bange, mir wird bange) gram sein (sie waren uns gram) leid sein (mir ist alles leid) pleite (die Firma war pleite) schuld sein (du bist schuld daran)
Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen,
übermorgen werden neu konsequent großgeschrieben.
Nominalisierte Adjektive wurden schon bisher wie jede andere Nominalisierung
grundsätzlich großgeschrieben (= Grundregel); sie wurden aber
kleingeschrieben, wenn sie zusammen mit einem Verb eine feste Wendung bildeten,
deren Gesamtbedeutung nicht ohne weiteres aus ihren Einzelwörtern
abgeleitet werden konnte. Dabei wurde die unterscheidende Schreibung nie
streng durchgehalten; so sahen die Wörterbücher für Wendungen
wie ins Schwarze treffen Großschreibung auch bei übertragenem
Gebrauch vor. Das neue Regelwerk kennt hier nur noch Großschreibung
nach der Grundregel für Nominalisierungen.
Eine ähnliche Regelung galt bisher auch für freier verwendbare
feste adverbiale Wendungen mit nominalisierten Adjektiven. Das neue Regelwerk
schreibt auch hier Großschreibung vor – bisher wurde teils klein-,
teils großgeschrieben.
Als ärgerliche Ausnahme verbleiben einige wenige Wendungen mit einer reinen Präposition (ohne Artikel): binnen kurzem, vor kurzem, seit kurzem; seit langem, vor langem, seit längerem, vor längerem; von nahem; von neuem, seit neuestem; von weitem, bei weitem, bis auf weiteres, ohne weiteres. Weiterhin kleingeschrieben werden der Superlativ (die Höchststufe) mit am, wenn man mit Wie? danach fragen kann. Der Superlativ eine regelhafte Formenreihe mit anderen Vergleichsformen: Erika schreibt genau – genauer – am genauesten. Der Löwe brüllte laut – lauter – am lautesten. Dieser Turm ist hoch – höher – am höchsten. Sonst gilt die Grundregel für nominalisierte Adjektive (siehe auch
den vorangehenden Abschnitt).
Bei Wendungen mit aufs wird in Anlehnung an die Superlative mit
am weiterhin die Kleinschreibung toleriert. Vorzugsschreibung ist
allerdings die Großschreibung nach der Grundregel für Nominalisierungen.
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Ordnungszahlen sind Adjektive. Man wendet hier daher neu konsequent
die Grundregeln für nominalisierte Adjektive an.
Wenn ein Adjektiv eine unbestimmte Menge angibt, spricht man von einem
unbestimmten Zahladjektiv. Für solche Adjektive gelten neu grundsätzlich
die gleichen Regeln wie für alle anderen Adjektive. Wenn sie nominalisiert
sind, schreibt man sie daher groß.
Es bleibt allerdings eine Vierergruppe übrig, die man weiterhin kleinschreibt: ein, ander, viel, wenig Kleinschreibung gilt auch für die zugehörigen Steigerungsformen: viel – mehr – am meisten, das meiste, die meisten wenig – weniger – am wenigsten, das wenigste, die wenigsten Wenn bei diesen Adjektiven die substantivische Verwendung hervorgehoben
werden soll, darf man sie aber neu auch großschreiben:
Endungslose Sprachbezeichnungen werden auch in Fügungen mit Präpositionen
großgeschrieben.
Paarformeln mit Adjektiven zur Bezeichnung von Personen werden neu einheitlich
großgeschrieben; es muss nicht mehr zwischen deklinierten und nichtdeklinierten
Adjektiven sowie zwischen wörtlicher und übertragener Bedeutung
unterschieden werden.
D 3 Die Großschreibung der Eigennamen
Die Großschreibung mehrteiliger Eigennamen hatte sich in der bisherigen
Regelung sehr weit in Richtung einer Großschreibung auch der festen
Begriffe ausgeweitet, die keine Eigennamen sind. Sie wurde allerdings nicht
einheitlich gehandhabt. Neu wird hier grundsätzlich kleingeschrieben.
Weiterhin großgeschrieben wird in vier gut abgrenzbaren Fallgruppen: – besondere Kalendertage, zum Beispiel: der Weiße Sonntag – geschichtliche Ereignisse, zum Beispiel: die Französische Revolution – klassifizierende Benennungen der Biologie, zum Beispiel: die Schwarze Witwe
Bei Ableitungen von Personennamen auf -isch und -sch musste
man bisher unterscheiden, ob eine persönliche Zugehörigkeit oder
Leistung vorliegt (Großschreibung) oder eine bloße Benennung
nach der betreffenden Person (Kleinschreibung). Neu wird grundsätzlich
klein geschrieben.
Wenn der Personenname vor der Endung -sch mit Apostroph hervorgehoben wird, schreibt man einheitlich groß: der Ohm'sche Widerstand, das Ohm'sche Gesetz.
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D 4 Die Großschreibung der Anredepronomen
Großschreibung gilt nur noch für die distanziert-höfliche
Anrede Sie. Für die vertrauliche Anrede gilt (wie in allen
anderen europäischen Sprachen) einheitlich Kleinschreibung.
Hingegen wie bisher: Sehr geehrte Frau Müller Wie Sie sich sicher erinnern, offerierten wir Ihnen und Ihren Angehörigen ...
© Peter Gallmann und Horst Sitta
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