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A Laute und Buchstaben
Bei den Lauten und Buchstaben, in der eigentlichen
Wortschreibung also, geht die Neuregelung besonders behutsam zu Werke:
Veränderungen in den vertrauten Schriftbildern stoßen bei den
Lesenden schnell auf Widerstand und lassen sich politisch nur schwer durchsetzen,
auch wenn sie für die Schreibenden eine echte Vereinfachung mit sich
bringen würden. Die Eingriffe beschränken sich daher weitgehend
darauf, die Schreibung des Wortstamms in ein und derselben Wortfamilie
zu vereinheitlichen und ein entsprechend regelorientiertes Schreiben zu
unterstützen, zum Beispiel Stängel mit ä wegen
der offensichtlichen Verwandtschaft mit Stange, nummerieren wegen
Nummer, Megafon wegen Telefon, substanziell wegen Substanz
(daneben als Varianten weiterhin: Megaphon, substantiell). Im
Wesentlichen kommt es zu Änderungen in den folgenden Bereichen:
A 1 s-Schreibung
In Deutschland und in Österreich wird weiterhin
zwischen Doppel-s (ss) und Eszett (ß) unterschieden.
Die Regeln für die Verteilung dieser beiden s-Schreibungen
sind aber neu gefasst worden: In Zukunft soll ß nur noch nach
langen und doppelten Vokalen (Selbstlauten) geschrieben werden, zum Beispiel
Fuß, Straße, reißen; nach kurzem Vokal steht in
allen Stellungen ss.
Für die Schweiz ändert sich an dieser Stelle nichts – es bleibt bei der durchgängigen Schreibung mit ss auch dort, wo in Deutschland und in Österreich ß steht, zum Beispiel in: Fuss, Strasse, reissen. Empfehlungen für die Druckindustrie
A 2 Zusammentreffen gleicher Buchstaben
Für das Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben
in Zusammensetzungen gab es bisher besondere Regeln (mit Unterregeln für
die Silbentrennung). Diese Regeln sind ersatzlos gestrichen worden. Die
Schreibung ergibt sich nun logisch aus den Bestandteilen der Zusammensetzung,
es werden keine Buchstaben mehr eingespart.
Empfehlungen
für die Druckindustrie
A 3 Verdoppelung von Konsonantenbuchstaben
In einigen Einzelwörtern werden in Anlehnung
an Schreibungen innerhalb derselben Wortfamilie die Konsonantenbuchstaben
neu verdoppelt.
Empfehlungen für die Druckindustrie Beim folgenden Einzelfall handelt es sich um einen Ausgleich innerhalb der Formen ein und desselben Wortes.
A 4 Umlautschreibung
In einigen Einzelwörtern wird in Anlehnung an andere Schreibungen innerhalb derselben Wortfamilie neu
ä statt e geschrieben.
Empfehlungen für die Druckindustrie In den folgenden beiden Fällen kann der Schreibende auf zwei Wortstämme Bezug nehmen;
konsequenterweise sind zwei Schreibungen zugelassen:
Neu e statt ä wird geschrieben in folgendem Fall:
A 5 Einzelfälle
Bei der Neuregelung der Rechtschreibung konnten auch
einige Einzelfälle korrigiert und in bessere Übereinstimmung
mit dem Prinzip der Stammschreibung gebracht werden.
Unverändert bleibt: Hoheit. Empfehlungen für die Druckindustrie
A 6 FremdwörterDie Neuregelung will die Anpassung von Fremdwörtern an die einheimische Schreibung vorsichtig fördern. Dabei beschränkt sie sich allerdings auf Bereiche, wo eine solche Entwicklung schon angebahnt ist, und erlaubt daneben weiterhin die bisherige Schreibung. Für die Schweiz ist außerdem ausdrücklich
festgehalten, dass bei Fremdwörtern aus den anderen Landessprachen
die an der Herkunftssprache ausgerichtete Form als Vorzugsvariante gilt.
Wörter mit é oder ée
stammen aus dem Französischen. In der Schweiz wird auch in Zukunft
in der Schule grundsätzlich die ans Französische angelehnte Form
gelehrt; die eingedeutschte Form mit Doppel-e ist daneben selbstverständlich
auch zugelassen. Vorbilder für die Neuerung sind Varianten wie Frottee,
Dublee neben Frotté, Doublé, die es bisher schon
gegeben hat.
Empfehlungen für die Druckindustrie
Hier liegt ein Parallelfall zu den Wörtern mit é und ée vor.
Vorbild sind ältere Anpassungen
ans Deutsche wie Dusche, Bluse (früher Douche, Blouse).
Die Mehrzahl der Wörter auf -y richtet
sich neu einheitlich nach der Einzahl, geht also auf -ys aus. In
vielen Wörtern hat sich diese Schreibung schon früher durchgesetzt,
zum Beispiel in: die Ponys, die Gullys.
Wenn ein Wort oder eine Wendung als Zitat aus dem Englischen aufgefasst werden soll, ist die original
englische Schreibung angebracht: grand old ladies.
Betroffen sind zunächst Wörter mit den Stämmen graph, phon, phot; hier hat sich in
Wörtern wie Telefon, Foto, Grafik schon früh die f-Schreibung als
Hauptvariante durchgesetzt (neben: Telephon, Photo, Graphik). Neu
soll die f-Schreibung in allen Wörtern mit diesen Stämmen
möglich sein.
Empfehlungen für die Druckindustrie Ähnlich können nun in ein paar weiteren
Wörtern ph, th, gh und rrh durch f, t, g und
rr ersetzt werden. Bei den Tierbezeichnungen war wohl Elefant
Vorbild für die Eindeutschung (im 19. Jahrhundert noch: Elephant).
Schon früher eingedeutscht wurde Getto (daneben weiterhin die ältere Form: Ghetto).
Nach dem Muster von Wörtern wie finanziell
(zu Finanz) und tendenziell (zu Tendenz) soll bei
weiteren Wörtern die Schreibung mit z eingeführt werden.
Empfehlungen für die Druckindustrie
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© Peter Gallmann und Horst Sitta
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